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information

Project: EMT, Esterhazy Meierhof Trausdorf
Location: Trausdorf, Austria
Type: Polyfunctional, Restauration, Offices, Restaurants
Year: 2011
Team: Mehlan, Opperer, Hugo, Minning
Client: Esterhazy Stiftung
Status: Beschränkter, geladener Wettbewerb, 3rd prize
Project Partners: Treberspurg & Partner Architekten ZT GmbH (www.treberspurg.com)

project text (ger)

Esterházy Meierhof Trausdorf

Es sind im Wesentlichen drei Aspekte, die den vorliegenden Entwurf für den Esterházy Meierhof Trausdorf in seiner Gestalt bestimmen: Zunächst der historische Bezug zum Meierhof und dessen überzeugende Einarbeitung in ein zeitgemäßes Konzept, des Weiteren der einzigartige Charakter der weitläufigen umliegenden Landschaft und schließlich eine funktional ökonomische und ökologisch sinnvolle Ausarbeitung, die klar den reibungslosen wie nachhaltigen Betrieb der Anlage zum Ziel hat.
Jeder Einzelne dieser Aspekte nimmt auf unterschiedliche Weise Einfluss auf die verschiedenen Facetten des Entwurfs - von der Materialität hin bis zur stadträumlichen Figur:

1. Stadträumliche Figur
Das Spannungsfeld zwischen historischer Anlage, bestehenden Weingut und dem neu geplanten Heurigen birgt unserer Ansicht nach das Potential, den Meierhof Trausdorf als einschlägigen Ausflugsort zu etablieren. Aus architektonischer Sicht stellt sich dabei die Frage, wie man diese zunächst sehr unterschiedlichen Elemente zu einem stimmigen Ensemble fügen kann. Wie kann man integrativ arbeiten und dennoch selbstbewusst 'Neues' schaffen? Der vorliegende Entwurf erreicht dies wortwörtlich durch die Überlagerung von 'Alt' und 'Neu': Die Figur des Meierhofs bleibt in ihrer Lesbarkeit erhalten, wie beispielsweise in Form der gradlinigen Zufahrt, der klaren Figur eines 'Vierkanters' oder durch den bewussten Erhalt charakteristischer Einzelelemente wie Verwaltungsgebäude und Brunnen. Überlagert wird diese historische Komposition jedoch mit einem in Form und Ausdehnung ähnlichen rechteckigen Streifen, dessen Achse hin zum Schloss Esterházy/Eisenstadt leicht verschwenkt ist. Diese einfache aber effektvolle Geste ermöglicht die gleichzeitige und gleichwertige Wahrnehmung von historischem Bestand und zeitgenössischer Erweiterung, was in jedem Maßstab des Entwurfs zu spannenden räumlichen Situationen führt. Wir sind davon überzeugt, dass diese Arbeitsweise jenseits rein konzeptioneller Überlegungen tatsächlich erfahrbar ist und dem Ort einen sehr eigenen Charakter mit großer Strahlkraft verleiht.

2. Weingut, Tanklager und Abfüllanlage
Nähert man sich der Anlage über die bestehende Allee erschließt sich dem Besucher zunächst das Weingut, dessen vorgelagerte Position vor der Kulisse des Meierhofs im vorliegenden Entwurf noch deutlicher herausgearbeitet wird. Das neue Tanklager/die Abfüllanlage wird in unmittelbarer räumlicher Nähe funktional dazu so angelagert, dass der Zubau in Höhe, Grundriss und Materialität unmittelbar daran angelehnt eine ablesbare funktionale Einheit mit dem Bestand bildet. Der neue Meierhof bildet dabei wie bisher auch die durchaus imposanten Kulisse und interessanten Kontrapunkt in der weitläufigen Landschaft.

3. Innenhof
Folgt man der zentralen Achse weiter eröffnet sich dem Besucher der Innenhof der Anlage auf neue und gleichermaßen vertraute Weise: Wurde die grundlegende Anordnung der einzelnen Elemente innerhalb der Komposition beibehalten, so haben doch teilweise andere Figuren die jeweiligen räumliche Funktion eingenommen: Die Erschließung wird am gegenüberliegenden Ende des Hofes nun durch einen Hain abgefangen, dessen Blätterdach genügend Volumen hat, um die ehemalige Scheune in ihrer Funktion im Ensemble zu ersetzen. Dabei schaffen die Bäume nun zusätzlich einen atmosphärischen Außenbereich, der im Sommer zum Verweilen einlädt und im Zusammenhang mit der Terrasse des Heurigen dem Innenhof einen einladenden und abwechslungreichen Charakter verleiht. Von der Schmiede erhält der Entwurf einzig das markante Zugangsbauwerk, das als Zitat erhalten bleibt und in seinem neuen Kontext schlüssig als Außenschankraum oder Pavillon genutzt werden kann.
Dem Hain liegt die Axialität der alten Gebäude zugrunde, was ihn klar vom eigentlich zentralen Element des Innenhofs abgrenzt: Weitgehend frei von Baumbestand erstreckt sich im Herz des Hofes eine großzügige begrünte Diagonale, leicht aus der Achse gedreht in Richtung des Schlosses Esterhazy/Trausdorf. Der Hof, in gewisser Weise das charakteristischste Merkmal des alten Meierhofs, wird somit zum tatsächlichen Zentrum des Ensembles. Es ist hier wo die Überlagerung von Alt und Neu am deutlichsten spürbar wird, da beide Achsen klar sichtbar als landschaftsgestalterische Elemente hervortreten. Der Streifen ist Promenade und verbindendes Element zugleich, fasst Bürobereiche, Heurigen und Brunnen, lädt zum flanieren ein, bietet Kindern viel Platz zum Spielen und schafft Raum für neue flexible Nutzungen wie Sommerfeste oder Sommer-Konzerte - tatsächlich das Zentrum des neuen Hofes.
Aus landschaftsplanerischer Sicht bildet die Grundtypologie der Diagonalen ein Grünteppich aus standortgemäß magerer, blütenreicher Wiese. Durch gezielte Einsaat markant blühender, krautiger Arten entsteht ein vielfältiges "Teppichmuster".
Bereichsweise wird durch regelmäßige Mahd die Wiese rasenähnlich kurz gehalten und dadurch zur Lager-, Spiel- oder Festwiese. So kann nur über die Pflege Bild wie auch Nutzbarkeit und Bespielbarkeit gesteuert werden.
Begrenzt wird der Streifen zu beiden Enden durch die architektonisch funktionalen Schwerpunkte des Entwurfs: Dem Heurigen und den Büroräumen des Forst- und Naturmanagement

4. Heuriger
Folgt man der Drehung der zentralen Achse auf die Diagonale vom Eingang/Parkplatz aus kommend, gelangt man intuitiv zum öffentlichen Teil der Anlage, dem zum Hof hin weit geöffneten Heurigen. Zunächst fällt dabei das freigelegte und von aussen nun sichtbare Gewölbe der alten Stallungen ins Auge, das in spannendem Kontrast zum neuen Zubau steht und dem Heurigen einen einzigartigen Charakter verleiht. Dieser von der historischen Anlage erhaltene Teil des Gebäudes ist ebenerdig vom Hof her zugänglich und beherbergt den flächenmäßig größten Teil des Heurigen, das heißt genau genommen den Schankraum und die zwei Gästebereiche für 40 und 100 Personen.
Im Obergeschoß - und dadurch räumlich separiert ohne tatsächlich 'getrennt' zu sein - befindet sich der in der Ausschreibung geforderte Gastraum für weitere 60 Personen, dessen Hauptausrichtung in entgegengesetzter Richtung nach Eisenstadt weist. Dadurch ergeben sich neue Sichtbezüge und eine grundlegend andere Atmosphäre als im Erdgeschoss, was eine vielfältige Nutzung für beispielsweise Geschäftsessen oder Restaurantbetrieb ebenso möglich macht wie die Erweiterung des Heurigen in das erste Obergeschoß.

Blickt man vom Heurigen aus in den Innenhof steigt der durch die Diagonale beschriebene Park am gegenüberliegenden Ende hin sichtbar an, ein Aussichtspunkt unter dem vor direkter Einsicht geschützt die Büroflächen des Forst- und Naturmanagements untergebracht sind.

5. Forst- und Naturmanagement
Wenngleich beide zentralen Elemente des Entwurfs, das heißt Heuriger und die Büroräume, in einer Achse zusammengefasst sind, ist es uns ein Anliegen, dem Betrieb der Natur- und Forstwirtschaft größtmögliche Privatheit zu garantieren. Dies wird effektiv dadurch erreicht, dass die Büroräume sich nicht zum Innenhof hin öffnen, sondern nach Süden in Richtung Trausdorf. Was im Hof zur weiteren Diversifizierung der Diagonalen beiträgt ist somit funktional gleichermaßen sinnvoll. Programmatisch werden die Büroräume dabei wie folgt aufgeteilt: Im historischen Verwaltungsgebäude befindet sich die Direktion mit allen dazugehörigen dienenden Funktionen in unmittelbarem räumlichen Anschluss. Der Zubau bietet auf gleichem Niveau angeschlossen folgerichtig allen weiteren Funktionen großzügige neue Räumlichkeiten, die bei optimaler natürlicher Belichtung durch ein Gründach vor sommerlicher Überhitzung geschützt sind. Wie im Heurigen die verschiedenen Gastbereiche werden hier ebenso die unterschiedlichen funktionalen Bereiche in Neubau zu historischem Bestand gegliedert ohne räumlich je 'abgetrennt' zu werden.
Dieser Konzeption folgend weist der Entwurf den Räumlichkeiten der Natur- und Forstwirtschaft eigene Parkflächen aus, die von denen der Öffentlichkeit Zugänglichen räumlich getrennt liegen und den privaten Charakter stärken.

Parken
Alle öffentlichen Parkflächen der Anlage erschließen sich dem Besucher auf intuitive Weise und sind von der zentralen Allee her kommend stets den jeweiligen Funktionsbereichen vorgelagert, so wie es auch beim bestehenden Weingut gehandhabt wird. Dadurch kann auf jede zusätzliche Beschilderung verzichtet werden und das Erschließungskonzept der Anlage ist jedem Besucher intuitiv zugänglich.