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summary

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information

Project: HZP, Helmut Zilk Park
Location: Vienna, Austria
Type: City Planning, Polyfunctional
Year: 2012
Team: Mehlan, Opperer, Hugo, Minning
Client/Bidder: ÖBB-Immobilienmanagement GmbH, Wien (AT)
Status: open international competition
ARGE Partner: aoffice, Arch. DI Gerhard Höllmüller (www.aoffice.at)

project text (ger)

“Perhaps the best definition of the city in its higher aspects is to say that it is a place designed to offer the widest facilities for significant conversation” (Mumford 1961)

sustainable design analysis

Zu Beginn der Betrachtung stand die Analyse des Planunsgebietes. Als Werkzeug für diese Analyse steht uns eine sustainable design analysis software zur Verfügung. Diese ermöglicht uns Umwelt- und Umgebungseinflüsse auf unterschiedlichen Bebauungsstrukturen, Dichteverteilungen und Typologien zu simulieren und die Ergebnisse auszuwerten.
Die Auswahl einer Bebauungsform ist keine zwingende Voraussetzung für die vorgeschlagene Entwurfsmethode, sondern kann lediglich aufgrund der Struktur des urbanen Umfelds gewählt werden wie z.B die Blockrandbebauung. Prinzipiell lassen sich die erarbeiteten Erkenntnisse durchaus auf alle anderen Bebauungsformen und urbane Dichtegrade anwenden.

In einem nächsten Schritt erlaubt dieser prozessorientierte Ansatz jedoch auch den wesentlichen Umkehrschritt - nämlich welche Einflüße haben die Gebäude und Strukturen auf die Umwelt. So können in einem morphogenen Prozess (Computerunterstütze Selbstbildungsprozesse) anhand ausgewählter Parameter die Wechselwirkungen simuliert und die Optimierung eines städtebaulichen Leitbildes als System erzielt werden. Bei fortschreitender Planungstiefe lassen sich darüberhinaus gesamtheitliche Aussagen zu einer Energie- und CO2 Bilanz treffen. Der Input für das kooperative Expertenverfahren besteht darin, dass sich ein prozessgeneriertes System von Nutzungen (Wohnen, öffentliche und private Dienstleistungen, Gewerbe etc.) von Bebauumgsstrukturen und Freiräumen auf Basis der sozialen und ökologischen Leistungsfähigkeit und der architektonischen Qualitäten erzielen lässt.

Dieser Arbeitsprozess bringt in der Auswertung quantifizierbare und in der Ausarbeitung qualifizierbare Ergebnisse. Er zielt darauf ab, zu einem in der Praxis anwendbaren, das heißt ökonomisch sinnvollen und technisch realisierbaren Ansatz zu gelangen.

Die Aufteilung der Gesamtkubatur einer zunächst frei bestimmbaren Bebauungsdichte erfolgt durch ein Computermodell, das eine optimierte Verteilung der einzelnen Gebäude im Hinblick auf eine Vielzahl verschiedener Faktoren möglich macht. Während die Beschaffenheit dieser Parameter im Grunde genommen frei wählbar ist, wurden beispielhaft die folgenden Parameter dargestellt:

Dichteverteilung, Sonnenstunden, Tageslichtfaktor, Parkbezug, ...

Diese können in einem nächsten Schritt z.B. um folgende Parameter ergänzt werden:
Nutzungsverteilung, Nachbarschaftsbeziehungen, Angsträume, Ausblick und Einsehbarkeit, Emissionen und Immissionen, minimale Erschließungsflächen etc.

Referenzprojekt

Anhand dieses Referenzprojekts möchten wir einige Überlegungen und Ergebnisse beispielhaft anführen. Es sind dabei vor allem zwei Aspekte eines morphogenen Entwurfsprozesses, die zu stadtstrukturellen Unterschieden im Vergleich zu traditionellen Stadtplanung führen: Zum einen erfolgt die Optimierung der Baumasseverteilung praktisch gleichzeitig nach architektonischen, wie auch städtebaulichen Gesichtspunkten. Die normalerweise sequenzielle Bearbeitung von zunächst urbanen- und darauf aufbauend architektonischen Aufgaben wird zugunsten einer ganzheitlichen Entwurfsmethode verworfen. Zum anderen stellen wir die Erschließung und Durchwegung der Parzelle - einen Planungsparameter, der im Allgemeinen einen überproportional großen Einfluss auf die Verteilung der Wohneinheiten hat - zunächst hinten an. So wird vermieden dass es zu Situationen kommt, in denen städtebaulich sinnvolle Maßnahmen architektonische Qualitäten mindern, wie beispielsweise unerwünschte Sichtbeziehungen oder unzureichende Belichtung einzelner Wohnungen.

Die dem Verteilungsmuster stets zugrunde liegende Fragestellung ist dabei sehr einfach: Wie kann man Wohneinheiten so auf einer Fläche verteilen, dass gleichzeitig der individuelle wie auch der kollektive Nutzen maximiert wird? Im übertragenen Sinn bedeutet das in gewisser Weise die gleichzeitige Diskussion architektonischer Kriterien (wie garantiere ich minimale Einsicht in einen Schlafbereich etc.) und städtebaulicher Parameter (wie erreicht die gesamte Siedlung die bestmögliche Besonnung etc.).

Stadtraum als soziale Kategorie

„Wir versuchen ständig, unsere Umwelt zu ordnen, ihr Struktur und Identität zu verleihen. Verschiedene (Stadt-)Landschaften eignen sich dazu besser, andere weniger. Bei der Umgestaltung der Städte sollte es möglich sein, ihnen eine Form zu geben, die diese Ordnungsbestrebungen erleichtert, anstatt sie zu erschweren.“
(Lynch 1989)

Räumliche Strukturen sind keine passiven Zeugnisse der sozialen Struktur, sondern strukturieren das Soziale selbst. Architektur ist die die Gesellschaft durchdringende Gestalt, sie ist, um mit Michel Maffesoli zu sprechen, die sicht- und greifbare ‚Haut‘ der Gesellschaft; in ihr bewegen wir uns täglich, agieren und interagieren. Insofern gibt sie der Gesellschaftsanalyse ein neues Diagnoseinstrument und die Frage, in welcher Gesellschaft wir eigentlich leben.

Verschiedenste Themen bestimmen das Leben der Menschen in den Städten, ob nun Arbeit, Einkommen, Bildung, Migration, Verkehr, Freizeit, Sport und Kultur oder Gesundheit und soziale Versorgung. Von Interesse ist hier vor allem die Wechselwirkung gesellschaftlicher Verhältnisse mit Bau und Bild unserer Städte als sichtbarer Ausdruck des sozialen und kulturellen Wandels.
Es ist der konkrete architektonisch hergestellte Raum, der das Soziale im Nebeneinander segmentiert, hierarchisiert und stabilisiert. In der sozialen Entwicklung der letzten Jahrzehnte liegen nicht nur Gefahren und Fehlentwicklungen, wie die Geschichte uns lehrte, sondern auch Chancen und Ressourcen, Herausforderungen zur Entwicklung spezifischer Bauformen und Strukturen einer postindustriellen Stadtgesellschaft, die durch Heterogenität und Diversität gekennzeichnet ist.
Immer jedoch sind gebaute „materielle Substrate“ (Émile Durkheim) ein wesentliches Element der Handlungsfelder, der Möglichkeiten von Kommunikation und des Wohlbefindens. Obwohl wir uns längst schon einig darüber sind, dass der öffentliche Raum „the living room of the young, the old, and the poor, and an advertisement of a city‘s image” ist (Zukin 1998), existieren zunehmend Orte innerhalb der Städte, die nicht den gewünschten Wohnraum und diesen Kriterien entsprechen.
Solche Räume schaffen weder die gewünschte Identität eines Stadtviertels, noch sind sie identitätsstiftend; vielmehr fördern sie Einsamkeit und Ähnlichkeit (Augé 1994). In dieser Aussage liegt die Aufforderung, die Beziehungen zu gebautem Raum neu zu denken und Erkenntnisse zu gewinnen, die das Entstehen solcher leeren Hülsen zu vermeiden helfen.
Anstelle postmoderner Weltstadtallerleien geht es um Identität, die der Unverwechselbarkeit der Stadt und einzelner Stadtteile dient. So gewonnene Kenntnisse können kommuniziert, exportiert und nachhaltig die Grundlagen des Lebens der Menschen in den Städten und der Gesellschaft insgesamt verändern.

Parameter

Hinsichtlich der Festlegung städtebaulicher Kennwerte ziehen wir die Ergebnisse aus den Analysen der Publikation Spacematrix (Space Density and Urban Form, Meta Berghauser Pont und Per Haupt) heran. Darin wurde anhand von Modellbetrachtungen ermittelt, dass die höchste Vielfalt an Bebaungsstrukturen auf einem Grundstück theoretisch bei einer GSI (BF/A) = 0,5 erzielt werden kann. Unter Einbeziehung von tatsächlichen Beschränkungen (external real world constraints) wie Gebäudetiefen, Belichtung, Erschließung etc. ergeben höhere GSI-Werte geringere Variationen und niedriger Werte höhere Variabilität in den Bebaungsstrukturen. Dies führt bei einer fixen Vorgabe des Perimeters und einer fixen Zielvorgabe der BGF zu einer Erhöhung der GFZ (FSI) und somit einer höheren Geschoßanzahl (L).
 
Dichte und bebaute Fläche

Von der Gesamtfläche des Areals 12 ha wird in der folgenden Betrachtung der Streifen entlang der Bahntrasse abgezogen. Übrig bleibt ein Perimeter mit einer Fläche (A) von 10 ha mit einer BGF von 240.000m2. Diese Werte entsprechen dem vorliegenden Masterplan Version O.

GFZ (FSI) = BGF/A = 240.000/100.000 = 2,4
GSI = BF/A = 60.000/100.000 = 0,6

Bei einem Rechenansatz von 60% für die bebaute Fläche BF (GSI = 0,6) ergibt sich eine mittlere Geschoßzahl (L= FSI/GSI) von 4 = L = FSI/GSI = 2,4/0.6
Das bedeutet, erhöhen wir die GSI innerhalb eines fixen Perimeters (Fabric oder island) also der Vorgabe A= konstant und BGF= konstant, dann verringert sich die Anzahl der Geschoße aber auch die Variabilität möglicher Baumassenverteilungen.

Fragestellungen

Wie wird eine Gewichtung vorgenommen zwischen einer geringeren GSI, mit dem Vorteil größerere Variabilität in der Entwicklung von Baufeldern jedoch einer damit verbundenen höhere Geschoßanzahl, und einer dem Menschen angenehmeren Maßstäblichkeit? Korreliert diese Gewichtung mit einer sinnvollen Nutzungsverteilung und der stadträumlichen Umgebung; der angrenzenden Quartiere? Wo liegt in dieser Gewichtung - einem Grundgerüst des Raums - die Balance für das Soziale im Nebeneinader? In welcher Konfiguration werden Hetreogenität und Diversität optimal ermöglicht? Weckt das Planungsgebiet Assoziationen einer Insel zwischen Bahntrasse und Park? Wozu soll im Planungsgebiiet eine mittig der Länge nach verlaufende Erschließungsstraße vorgesehen werden?

Reaktionen

“Public places, as sites of spontaneous social interaction are the communicative devices of our society .” (Castells 1972)

Die Stärkung des Perimeters durch die Bebauungstruktur

Das Areal wird von Durchzugsstraßen und zu langen Sichtachsen frei gehalten Hierachie der Ordnungsstrukturen in Mastergrid und Secondary Grid. Das Mastergrid nimmt übergeordnete städtebauliche Bezüge auf und teilt das gesamte Areal in fabrics; das Secondary Grid schafft Einheiten (Islands) innerhalb der fabrics, definiert so die Einheiten von möglichen Baufeldern und Freiräumen; Höhenentwicklung zu den nördlichen und Südlichen Grenzen stehen in Wechselwirkung zur bebauten Fläche GSI< 0,5
Verdichtung zur Mitte hin GSI> 0,5; geringere Höhenentwicklung, kleinteiligere Strukturen, Differenzierung zwischen öffentlichen Räumen in Interaktion mit der Ausbildung von Sockelzonen und halböffentlichen Räumen (Block und Innenhof). Platzbildungen im Bereich des Arsenalstegs und der öffentliche Verkehrsstationen U2 sowie Straßenbahnlinie D. Öffentlicher, durchwobener Grünraum und “Urban Gardening”. Analyse und Optimierung von möglichen Bebauungs- und Gebäudetypologien in einem morphogenen Prozess unter den festzulegenden Parametern; Evaluierung der Ergebnisse unter soziologisch wissenschaftlichen Gesichtspunkten